Tabouret-Keller, Andrée

La femme est-elle une esclave ? Si oui, pourquoi ?
Causerie en alsacien du 25 juin 1963, au restaurant À l’aigle d’or, Bischheim

 
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TEXTE INTÉGRAL

Les éléments entre crochets indiquent des oublis ou des coquilles.

 

Warti Anwesendi, warti Frénd,
 

Zahlamassig gnumme esch dr Platz fu der Frau grad so groß wia da fum Mann : in Frankrich, uf [donnée chiffrée manquante] Milliona, gebts [donnée chiffrée manquante] Frau[e], also ewer d’Hälfta. Wia steht’s awer met d’r Frau, in dr verschedana Punkta vum öffentliga Lawa ?

Erstens vor’m Gsetz : vor’m Gsetz esch [d] Frau im Mann net glichberachtigt : vorm Gsetz esch d’r Mann der Chef vun d’r Familie, vor’m Gsetz hat er allai s’ [R]echt d’r Wohnungsort z’bstemma un d’Frai het net s’ [R]echt am a andra Platz zu wohna. D’Autorität ewer d’Kender kehrt allai em Mann, un wenn z.B. der Mann sterbt kann d’Frau Vormund se awer sé derf nix entschlussa ohna d’r Familiarat, also bliebt sa vor’m [Gs]etz menderjahrig… a Froi hat zB net s’Ra[ch]t [lacune] un [e] Chequekunto ufra Bank oder uf d’r Post ufz’macha ohne d’Unterschreft fu ehrem Mann sogar wenn’s sich um e[h]r aïgana Lohn hande[l]t ! Dia Lista kennt’ mr noch viel verlängra… obwohl d’französch Verfassung « Liberté, égalité, Fraternité » als erster Punkt steh hat, es[c]h also dia « égalité » noch lang kä Werkligkeit, bsunders nét für d’ Froia.

Als zwaiter Punkt, wia steht d’Froï for der Arwait : in Frankrich gebts ewer 20 Milliona [W]arktätiga, net ganz [a] 1/3 d’r fu sen Frau[e] : ungfa[h]r 6 ½ ha[lb] Milliona. Und fu dara Zahl schaffa me[h] als d’Hälfta us Notwandigkeitsgrend, um ehr Lawa z’ verdiana denn se senn net verhirota. Dia han net d’Wahl, dia mian schaffa ! Fur d’andra 3 Milliona entsprecht s’ Schaffa ma Entschluß : d’r Entschluß en d’r Hushaltung a zwaiter Lohn ze bringa. Awer d’Arwait fu d’r verhirodada Froia werd net ermiatigt : der IV Plan seht vor daß en d’r na[chs]ta viar Jahr nur 150.000 mehr Froia schaffa wara. Dr Froi wo schaffa well, wara Verhendernissa gstellt : es esch net vorgsah daß d’r Mann un d’Froi schaffa : s’grebsta Baispiel esch ’s folgenda : a Froi wo schafft bekummt kä « Salaire Unique » me[h], awer a Froi wo net schafft un wo kai Kender hat bekummt der « Salaire unique », en d’r Seine1 bekumma 3 000 Froia ohna Kender dr Salaire unique un 117.000 Froia met einem Kend, wo schaffa, bekumma nix. Fer d’Froi wo schafft, hat ’s Gsetz nix vorgsa[h] : net d’Arwaitsstunda, net d’Krankakassa[,] net Stira, net s’ équipement social : crècha, usw. Wenn also sovial Froia schaffa, kat m’r secher se daß ’s notwandig han. Mr kaht sech danka daß wenn e Mann net meh als 65.000 fr. verdiant em Monat, un es isch d’r Fall fu 63 % Manner in Frankrich, daß d’Froi oi schaffe geht. Wia geht’s en ’ra Froi wo schafft ? Wia esch der Lohnszuastand von dr schaffenda Froia ? Ich behandel do nur ai einzig Baispiel : das fu d’r Employés denn daß esch a Secteur wo meh als d’Hä[l]fta Froia sen : bi d’r Arwaiter kammer 4 Milliona Manner z[ä]hla und a betzi ewer a Million Froia, bi d’r Employé kammer unter 100.000 Manner zähla und ewer 100.000 Froia. Wia sehts do met d’r Lehn us ?

17 % Manner han, bi der Employé[,] unter 225.000 [fr.] im Jahr, bi d’r Froia 37,7 %. Wenn m’r Branchawies luagt, seht mer daß en kennra Branche d’Froialöhn so hoch kumma wia d’Mannerlehn, z.B. im Wasser, Gaz und Elektricitat, esch der Unterschied net zua hoch : wenn a Mann 449 fr. hat, hat a Froi 402[.] Awer en alla Brancha wo met alimentation zsamma hanga, esch der Unterschied krass : wenn a Mann 470 bekummt, bekummt a Froi nur 277, en d’r Chimiebrancha, esch dr Unterschied oi groß : a Mann hat 616 un a Froi nur 366. Em Jahr 1955, han 38 % schaffendi [F]roia unter 250.000 F. em Jahr verdiant, gega 17 % Manner wo unter dam Lohn schaffa.

Es gebt noch viel Froia, wo saga daß d’ Lösung do drzua ward, daß d’Froi dhaim soll bliewa : « la femme au foyer ». Das sagt oi dr MRP. Namma mr a, mr dat das macha : 2/3 fu dr Schuellehrerscha[f]t sen Froia, 4/5 fu der Infirmières en dr Spetäler sen Froia. En der Textilindustrie un en d’r Naïindustrie esch der Prozentsatz Froia noch viel höcher.

[A]lso wenn die alla Froia wo schaffa dhaim muasta bliwa, dat s’ ganza offentliga Lawa derfu lida… das ward a erster Grund gega der Slogan « la femme au foyer ». A zwaiter Grund wär daß fer uns dr Ischrett fu zahlraicha Froia en d’ Produktion und en d’ verschedene Gebieta fum ekonomischa un fum soziala Lawa a historischa Realität esch, un daß dia Realität fer uns e Fortschrett bedidda duat. Schaffendi Froia stelle frischa Kräfta vor, net nur korwerliga Kräfta awer oi neui Intelligenz. A Froi wo schafft hat [P]erspektive economisch unabhangig z’ senn, sie kaht e[h]r Brot verdiana [g]rad so guat wia n’a Mann. Sie hat s’Åracht e[h]rer Mann usz’wähla, se håt’s Åracht uf [a] werdiger Lawa. D Arwait macht’s d’r Froi meglig sech ewer ehri anga [P]robleme z‘ erhewa un macht’ d’ra moglich sech um ehr Land z’ bekemmra. Jemehr Froi[a] an d’r sozial Arwait tail nemma, desto besser un schnaller werd sech d’Union schmieda gega d’Usbeutung fun dr gsåmmta schaffenda. D’Froia han also ehrer Platz in d’r Produktion un em offentliga Lawa z’ vertaidiga. A Maidla hat grad so s’Åracht z’ lehra åls a Bua, awer d’Froia han zur salwa Zit d’Glichberachtigung z’ verteidigen, besunders vorm Gsetz und vorm Lohn.

Das esch net so aifach, denn sogar en unsera fortgschrettena Kraisa, sogar bi der Kommunista gebt’s meh als ainer wo für d’ « Femme au foyer » esch. Er geht an d’Arwait und en d’ Versammlung am Owa, und se blit d’haim, måcht d’ Komissiona, wascht, kocht und putzt, ziagt d’Kender uf. Dia Vorurteil se tief verankert en d[e] Köpf. A mancher Arwaiter sait : [« ] wenn ich haimkum z’ owa, han’ich garn[,] s’esch alles en Ordnung un’s Assa gre[s]chda… fer daß han’i a Froi. » Und was esch s’ Los fu d’r Froi wo d’haim bliebt : kai ainziger Mann wod düscha mettdra : kai ainziger dad ànamma daß se geht schaffa un ar d’haim blibt und d’Kucha ufziagt und d’Wendla wascht.

En unsrem system, esch d’Froi doppelt usgebeuda. Usgebeuda en dr Fabrik, uf’m bureau un em Gschaft un usgebeuda d’haim denn se muas d’Hushaltung må[ch]a. En unsrem System wara d’Froia benutzt als Konkurranz gega d’Manner, well sa schaffa met niedriga Lehn. A patron stellt sech niamols d’Frog ob s’ en ra Froi gfallt zu schaffa oder net, er stellt sech net d’Frog ob er somet d’Familie zerstort oder net. Was ehn interessiert esch a main d’œuvre z’hann wo ehm mehr Profit ibrengt. S’ besta Baispiel wo zaigt wia d’Froia nur em a reaktionnäre Senn gebrücht se wora, esch s’ Baispiel fum letzta Kriag 1939, no d’r Mobilisation, hat m’r d’Froia en d’Industrie g’ho[l]t. En dara Period hat d’ganz Press, d’ganz reaktionnar Press wo emmer gsait hat « la femme au foyer » uf aimol d’Froiaarwait gelobt, uf aimol esch en dr Zitunga gstanda daß d’Froia vif sen, intelligant, daß sa sech vil besser schicka für manchi Arweda als d’ Manner. Awer, sofort no d’r Armirstice, esch d’r Petain kumma, da hat oi gsait « la femme au foyer » ! un zur glicha Zit hat dr Hitler d’Froia igezoga en der Arwaitsdianst.

An[n]a 1921 hat der Lenin folgendes ewer d’Froia gschrewa : [le passage du texte de Lénine manque].

 

Ob se schaffa geht oder ob se dhaim bliebt, esch s' Los fun d’r Froia net glanzend. Nix esch gemacht, oder net genügend um ’ra zu halfa. [F]ur d’ ganz klaina Kender gebts net geniagend Crècha, für d’ großera gebt’s net geniagend Feriakolonia.

Uf euira Iladung, steht ganz rechtig daß wenns dr [illisible] net glanzend geht, daß ’s der [ä]ltera, dr alta Froia bsunders schlacht geht : me[h] als ai Wetfroi, wo e[h]r ganza Lawa gschunda het, setz[t] do und hat net meh als 10.000-15.000 F em Monat.

Wenn d’Froi so na menderwartigi Stellung [hat], warum esch’s aso ? [A] mancher dat viellicht antworta : es esch ewa [w]el s a Froi esch, d’Froia verteidiga sich schlachter als d’Manner, se senn ewe schwa[ch]er. Mr gann zur Antwort : wenn d’Froi en unsera Gsellschafft am a untergeordneta Platz steht, [e]sch net well’sa nur a schwachi Froi esch, es esch waga der Gesellschaftsordnung, es esch well mr em a Regim lawa, wo’s uwerhaupt kai Gerachtigkait gebt. Ich mecht zwai Bewies do drzua uf fiara :

der ersta esch daß d’Froia gnau so wia d’Manner sech schlaga kenne. An[na] 1936, ward der Sieg vu d’r Arwaiterklass ohne d’Helf und d’aktiv Tailnahm fu d’r Froia net moglich gse : niemals hatta d’Arwaiter gsiegt wenn d’Froia wo 36 % zaladurs fu dr Arwaiterschaft gse senn net met gmacht hatte. Im letzta große Streik fu dr Bargarwaiter hat mr oi gsa wia wechtig, sogar wia decisif d’Roll fu dr Froia gs[i] isch im Kampf fu ehra Manner fer a bessera Lohn.

Awer s’ gebt noch a zwaiter Bewies daß net di Froi schuld esch an ehrem Loß awer d’s es s’ Regim esch wo schuld dra esch. Es esch [’s] Baispiel fu d’r Froia en d[e] soz. Lander : dert senn sa durch Gsetz und durch d’Gesellschaftsordnung d’r Manner glich[g]stellt und soviel ich waiß hann’se sich net blamiart. Uber 4 Milliona Froia sen en Sovietrußland [I]ngenieure, unter d[e] Doktor sen sogar meh als d’ Halfta Froia… 40 % fu d’r schaffend Befolkerung sen Froia. Em Familialawa hat das net gschåda, denn es esch dert vorgsah daß a Froi wo Kender hat, schaffa geht.

Ich bi also net iferstanda, wenn m’r a Froi angrifft und said, sie esch an ehrem aigana Los schuld. Was mr zuagann muaß, esch daß alles gemacht werd daß d’Froi uwerhaupt net bewußt werd um e[h]r aiga Los. Do gebts Reclam, durch Radio und Zittung, wo alles versuacha zu verdecka. Dia Reklam versprecht en jedra Froi daß oi Se a Waschma[s]chin kann han, un a Iskasta, un a Aspirateur… un a Television und daß sa schön kat se : sie brucht numma d’ Puder so un so, und d’Krem so un so benutza. Un dia Argumenta, die Publizitatsargument[a] schlaga i net nur, wel viel Froia dra gloiwa, awer : wel am End fum Lied viel Froi[a] s’ohna da Iskasta, ohna da Television nem kenne ma[ch]a. Haißt daß, das mer K. [= Kommüniste] gege d’Iskasta oder gega Television wära ? nai, mer sen [defur] daß s’ a jeder soll han, awer mr sen gega daß System wo Tag fer Tag der Froi vorliert was [se] so alles brucht bis daß es ’s uf Abzahlung kauft und met dem Abzahlungssystem steht wia met d’ra Gefangaschaft : en dara Zit kat m’r ewa nix anders åfanga als ewa [a]bzahla. Es senn awer net d’Froia wo schuld senn do drå, åwer das ungeheure System vom Kommerce und fu dr Publizität.

Wenn ich daß Baispiel geb, esch [s] für ze beditta, daß es net einfach esch, d’Froia um uns zum Bewußtsein zu erwecka, zum Bewußtsein daß sa a ander Los verdiana.

Es esch vielmals a schwieriga Ufgab … aber es esch grad diajenig Ufgab wo sesch d’Kommunist[isch] Partei gsetzt hat : d’ K.P. hat sech immer um ’s Schicksal fu d’r Froi agnumma :
1/ well d’K.P. alli Unterdruckta, alla Sklava vertaidigt un m’r han gsa daß d’Froi doppelt unterdruckt esch.
2/ well d’Arwaiterinna, sais uf Stadt oder uf Land, a gewalltiga Reserva sen im Kampf fu d’r Arwaiterklass gege d’r Kapitalismus, gega d’Patron.

D K.P. verteidigt d’Egalität fu d’r Lohn : fur d’salb Arwait, d’r salb Lohn, ob Mann oder Froi. D K.P. kampft ver d’ Erhohung fu d’r bsonders nedriga Lohn, fu d’r Froialohn, hauptsächlich uf’m Land. Er [= sie] kampft ewafalls fur’s Arecht fu d[e] Froia uf a astandig[a] Formation professionnell. Der k. Minister Ambroi[s]e Croizat hat viel do drzua gemacht. Er kampft oi fer d[e] Statut du Fonctionnaire un bi d’r Fonctionnaire, uf a halwa Million Employé sen ewer d’Halfta Froia. Er verteidigt d’Burafroia, verlangt Wasser en jedem dorf un en jedem Hüs, er verlangt daß ’s oi uf’m Land a kostloser Service de Santé gebt. Met d’ Milliarda wo vergeuda wara fer Atombumba, fer Kriagsflugzig und Kriegsunterseeboot, kennt a usgedehntes Netz fu soziala Warka errechtet wara. Awer d[e] Hauptpunkt fom Kampf da wo schliaslig, d’r Froia am na[ch]sta an’s Harz geht, esch dr Kampf für d[e] Fridda. Mr han gsait ass ’s schwar esch daß a Froi [b]ewußt werd ewer d’[U]ngerachtigkait fu ehrem aigana Los – awer es esch net schwer a Froi bewußt z’ macha daß wenn ’se d[e] Fridda vertaidigt, se da[s] verteidigt was ’ra am wartvollste esch : s’ Lawa fu ehra Kender.

Zu hettiga Daga, kann m’r behaupta, daß s’ Froiabewußtsein ewer dr Friedenskampf geht. S’Baispiel fu d’r Valentina Trechkowa wo en d’Kosmos ganga esch esch’s Baispiel wia widd m’r’s brenga kann und das d’Egalität a Wort esch wo a Sinn, a tiafer un a realistischer Senn hat denn dr Bewis esch da : en ra gerachta Gesellschaft, esch d’Egalität verwirkligt.

Bi uns, esch das a widdes Ziel, zerst kummt unser Kampf für d’r Fredda, als erstes wann mer Fridda. Denn es esch nur em Freddensrahma wo’s alli anderi Forderunga ehra Zweck fenda. Awer der Kampf fur d[e] Fredda esch a politischer Kampf un d’r Platz fu d’r Froia en dem Kampf esch decisif. [« ] Es esch unmoglig [ »], hat dr Lenine gschrewa, « d’Massa zur Politik z’ fiera ohna d’Froia met in d’Politik z’rissa ».

Mr wara also energisch gega Tradition kampfa, dia Tradition wo d’Froi aseht wia a untergeordnetes Wasa. Mr wara d’r Froi Vertroia schenka, denn sie schlaga sech fur daß was n’a wartfoll [esch], fur’s Lawa fu ihra Manner un Kender… un wenn ds Vertroia da esch, wenn’s a wahr’s Vertroia esch, so wära oi alli Schwierigkaita endlisch verschwunda wära und unser Wort « Liberté – Égalité – Fraternité » werd zu n’ra Wirklichkeit se.


Notes

1 = le département de la Seine.


POUR CITER CE DOCUMENT

Tabouret-Keller, Andrée, 2021, «La femme est-elle une esclave ? Si oui, pourquoi ?», Les Cahiers du GEPE, IV. Causerie en alsacien, Strasbourg : Presses universitaires de Strasbourg, URL : http://cahiersdugepe.misha.fr/index.php?id=3752
 


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